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Das kaputte Internet

18. Januar 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (246) Das Internet hat sich als perfides Vehikel der totalen Überwachung und Untergrabung der demokratischen Gesellschaft entpuppt. Ist da noch Hoffnung?

lobo

„Das Internet ist nicht das, wofür ich es so lange gehalten habe. Ich glaubte, es sei das perfekte Medium der Demokratie und der Selbstbefreiung.“ Mit diesen Worten hebt ein Artikel an, der unlängst in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erschienen ist und den man gelesen haben muss. Jedenfalls, solange man nicht für sich allein auf einer fernen, weltabgewandten Insel lebt.

Der Autor dieses Artikels heisst Sascha Lobo und ist – zumindest in der sogenannten „Netzgemeinde“, also unter technikaffinen Menschen und überzeugten Nutzern der Digitalsphäre – kein Unbekannter. Gemeinhin gilt er als Evangelist des Fortschritts, nun tönt er plötzlich abgeklärt, ernüchtert, ja: gekränkt. „Was so viele für ein Instrument der Freiheit hielten, wird aufs Effektivste für das exakte Gegenteil benutzt. Der Spähskandal und der Kontrollwahn der Konzerne haben alles geändert.“

Dieser Text – eventuell kann man ihn einen Essay nennen, einen Zeitbefund, polemisch auch einen narzisstischen Rundumschlag – hat mannigfaltige Reaktionen ausgelöst. Zunächst (man ist geneigt zu sagen: typischerweise) nicht gerade selten auf absolutem Kindskopfniveau in diversen Online-Foren, auf Facebook und Twitter („Sascha Lobo glaubte ja auch, dass seine Frisur originell ist“), dann auf argumentativer Augenhöhe im Feuilleton und in der Netzgemeinde selbst.

Mitten im Getümmel fanden und finden sich natürlich auch Dissidenten wie der Journalist und Blogger Karsten Lohmeyer, der das Medium seiner Wahl „diesen Internet-Philosophen entreißen“ will, „den Nerds und Piraten mit ihrer unsäglichen Diskussionskultur und Lust an der Selbstzerstörung.“ Geschenkt. Ich lege Ihnen den Originalartikel ans Herz. Und erst im Anschluß die Lektüre der Fußnoten der Nachkläffer, Sub- und Meta-Querdenker, Gegenredner und Widersacher.

Zugegeben: ich fühle mit Lobo. „Trotz Fachwissens nicht für möglich gehalten zu haben, was Realität ist – das war meine Naivität“, diesen Satz können wir uns alle ins Stammbuch schreiben. Die dräuende Erkenntnis, dass die Digitalisierung unserer Existenz – von elektronischen Krankenakten bis zum Smart Metering der Energieversorgung, von der Auflösung traditioneller Geschäftsmodelle im Kultur- und Medienbereich bis hin zur kompletten Infragestellung unserer Privatsphäre – die Gesellschaft viel stärker prägt, „als die meisten Politiker, Journalisten und Fußgänger erkennen wollen oder können“ (Lobo), bedarf dringend des Weiterdenkens.

Noch – noch!? – üben wir uns in Optimismus. „Das Internet ist kaputt, die Idee der digitalen Vernetzung ist es nicht.“

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