Posts Tagged ‘Verstärker’

Blue, Blue, Electric Blue

27. Mai 2017

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (410) Gibt es „ultimative“ Gerätschaften? Eine Frage, die insbesondere die Audio-High End-Gemeinde plagt.

McIntosh VU-Meter

Ich habe es getan. Und zugeschlagen. Es mag hart klingen, aber: worauf soll ich warten? Irgendwann will man es wissen. Ob es nämlich soetwas wie das ultimative, finale, endgültige Gerät gibt. Auch wenn man die Antwort schon kennt: nein, gibt es nicht.

Aber es gilt, die Grenzen auszuloten. Die Grenzen des technisch Machbaren (hier geht immer noch mehr). Und die Grenzen des individuell Leistbaren (hier geht tendenziell eher weniger). Aber es tut gut, etwas im Haus zu wissen, an dem sich alle sonst verfügbaren Verstärker, Receiver, Aktivboxen, PAs und sonstige Audio-Krücken messen lassen. Und messen lassen werden müssen.

Es ist so: ich habe einen McIntosh MA 6900 erstanden. Das ist – Kennern aus der HiFi-Gemeinde muss man’s nicht erklären, sie bekommen automatisch wässrige Augen – ein Verstärker des US-Traditionsherstellers McIntosh Laboratory Inc. in Bighamton, New York. Ja, einer jener Boliden mit den herstellertypischen, blau leuchtenden VU-Metern!

Der MA 6900 ist bei weitem nicht das mächtigste und teuerste Teil dieses Fabrikanten, aber es sollte – um die Diktion des Autoherstellers Rolls-Royce aufzugreifen, der einst die Motorleistung seiner Fahrzeuge nobel-zurückhaltend als „ausreichend“ deklarierte – genügen. Zudem wird es nicht mehr gebaut (es muss mich also niemand der Schleichwerbung verdächtigen), gilt aber bereits als Klassiker.

Der gegenüber dem ursprünglichen Preis verlangte Obolus, der den Audio-Durchlauferhitzer gerade noch leistbar macht, ergibt sich aus seinem Second Hand-Status und dem Liebhaberwert. Jedenfalls muss sich der Vorbesitzer, der meinte, er wolle den 41,7 Kilogramm schweren Mac „nur in gute Hände legen“, nicht den Kopf zerbrechen über seriöse Zukunftsaussichten.

Ob ich enttäuscht werde oder nicht, wird sich weisen. Erst neulich habe ich gegenüber einem – ebenfalls vom Vintage-HiFi-Virus befallenen – Freund betont, die eigentliche Befriedigung liege darin, exzellente Musikwiedergabe mit tunlichst kostengünstiger Hardware zu erreichen. High Fidelity ist (und gleich hebt wohl das Geheul der Zahlenfetischisten und High End-Esoteriker an) zu sehr von äusseren Umständen – etwa der Aufnahme, der Raumakustik oder dem persönlichen Hörvermögen – abhängig und die Kombination verschiedenster Geräte ein geradezu alchemistisches Experiment und Glücksspiel, dass sich allein aus dem Preis, der Wattzahl und dem Ruf eines „legendären“ Verstärkers kaum etwas ableiten lässt.

Ich werde Sie jedenfalls vom Grad meiner Befriedigung unterrichten (eben auch, weil der Verstärker als Messlatte für aktuelles Equipment dienen soll). Es wird nur andernorts nachzulesen sein als an dieser Stelle. Ich geh’ jetzt mal den McIntosh anwerfen.

Der tönende Heizlüfter

27. Januar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (196) Ein Gitarrenverstärker, der aussieht wie ein Toaster und formidabel klingt? Ja, den gibt es.

YAMAHA THR10

Das Yamaha Austria-Team hat es wirklich nicht leicht mit mir. Denn eigentlich sollte ich seit Tagen, wenn nicht gar Wochen ein Testgerät retournieren – und zögere die Rückgabe des Teils mit immer neuen, immer abenteuerlicheren Begründungen hinaus. Hier und jetzt starte ich sogar eine öffentliche Charme-Attacke, die vielleicht eine zusätzliche Gnadenfrist einbringt. Es ist halt so,dass die kühl-professionelle Beurteilung neuer und neuester Geräte der Elektronik- und Unterhaltungsindustrie gelegentlich von akutem Nerd- & Fan-Verhalten konterkariert wird. Und man selbst in eine Rolle kippt, die ihren Stammplatz eher in einem Spielzimmer hat als in einem Maschinenraum für Erwachsene.

Was nun löst diesen Pawloffschen “Will haben!”-Reflex aus? Es ist, räusper, ein Gitarrenverstärker. Von Yamaha, Modell No.THR10. Eigentlich sieht das Ding – einmal mehr im Retro-Design der fünfziger Jahre – wie ein Toaster aus. Oder ein Heizlüfter für den Abstellraum. Natürlich kann man mit solch einem tönenden Durchlauferhitzer, der sich zur Not auch mit Batterien betreiben lässt, nicht die Stadthalle beschallen. Aber für die Garage oder den Proberaum reicht der THR10 allemal.

Von innen her glimmt es rötlich – was wohl Röhrentechnik simulieren soll. Aber auch die schnöde Verstärkung durch Transistoren hat ihre Vorzüge. Mittels Drehregler und gratis downloadbarer Editor-Software lassen sich alle möglichen klassischen Amp-Sounds nachstellen und mit Effekten (Hall, Chorus, Flanger, Tremolo usw.) aufpäppeln. Zusätzlich gibt es einen Aux- und USB-Eingang, etwa für den Laptop oder iPod. Da Yamaha als der führende Musikinstrumente-Fabrikant der Welt, der auch eine formidable HiFi-Schmiede betreibt, hörbar Wert auf brauchbaren Klang legt, ist das also ein ziemlich vielseitiges Köfferchen. Es macht wirklich Spass, die Welt glauben zu lassen, man hätte im Hobbykeller ein 6L6-Jazz-Röhrenmonster herumstehen.

Also lasst die Musik noch ein wenig spielen, liebe Yamaha-PRAbteilung! Und wenn ich den THR10 zurückschicke, hätte ich gleich die nächste Bestellung parat: die Keyboard-Workstation MX49. Da überschlägt sich auch gerade die Fachpresse, was die Fähigkeiten und das Preis-/Leistungsverhältnis dieses brandneuen Synthesizers angeht. Die Zukunft des Musikgenusses liegt ja, wenn man z.B. dem Künstler Beck Hansen (alias Beck) folgt, keinesfalls in passiver Berieselung. Sondern in aktivem Musizieren. Folgerichtig vertreibt der gute Mann sein neuestes Album „Song Reader“ nur als Notenheft… Jetzt muß ich, nebstbei, nur noch A-Moll von E-Moll unterscheiden lernen.

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