Beam Me Up!

13. April 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (257) Die Vision “Heimkino” schreit doch eher nach dem Einsatz eines Beamers als nach Riesen-Flachbildschirmen.

BenQ TH681

Der erste Flachbildschirm meines Lebens war ein PC-Monitor mit 15 Zoll Durchmesser, der sich trotz seiner bescheidenen Grösse neben den fetten Röhrenmonitoren der Bürokollegen wie ein furioses Fanal des Fortschritts ausnahm. Das war noch im vorigen Jahrtausend. Rasch wuchsen die Bildschirmdiagonalen – heute sitze ich vor einem 27 Zoll-Panoramabildschirm, der in seinem eleganten Alu-Rücken auch gleich den Rechner integriert hat.

Im Entertainment-Bereich, landläufig auch „Patschenkino“ genannt, wagte ich den Einstieg in die Flatscreen-Moderne, als der koreanische Hersteller LG irgendwann seine erste massentaugliche Plasmabildschirmserie abverkaufte. Für einen wuchtigen 42 Zoll-Fernseher, an den man extra das Tuner-Teil anschrauben musste, verlangte ein Elektromarkt anno 2004 „nur noch“ dreitausend Euro – statt mehr als der doppelten Summe, was dem regulären Listenpreis entsprochen hätte. Dieser Tage habe ich das Gerät dem Sohn einer Freundin geschenkt. Der Monitor hat nicht mal HD-Auflösung oder einen HDMI-Eingang, von 3D-Tauglichkeit ganz zu schweigen.

Das ist der Preis, den Early Adopters zu zahlen haben – heute kriegen Sie ja riesige, hoch auflösende LCD-, LED- und OLED-Bildschirme (Plasmas sind selten geworden) um ein paar hundert Euronen. Und Jahr für Jahr übertrumpfen sich die Hersteller nicht nur in ruinösen Preiswettbewerben, sondern auch in Breiter-Heller-Schärfer-Pixelorgien. Der letzte Schrei sind geschwungene Panels in Kinoleinwand-Dimensionen.

Irgendwie scheint mir, wenn’s um schiere Bildgrösse geht, die Alternative etwas ins Hintertreffen geraten zu sein: Projektoren. Denn jeder TV- und Filmfreund, der etwas bislang auf sich hielt, verdunkelte gern mal geheimnistuerisch den Raum und holte den Beamer aus dem Schrank, um Bilder raumfüllend an die Wand zu werfen. Ist das aus der Mode gekommen? Das wäre schade. Denn ich habe z.B. gerade ein – noch dazu recht kostengünstiges – Modell von BenQ im Test, das wirklich zu begeistern weiss: den TH681 Heimkino-Projektor, der rechtzeitig vor der Fußball-WM in die Geschäfte kommt. DLP-Technik, 3000 Lumen Lichtstärke, eine maximale Bilddiagonale von 7,62 Meter, 3D-Fähigkeit und Full HD-Auflösung lassen keine Wünsche offen. Zumindest von den Prospektdaten her.

Nun: bis dato habe ich an dem Gerät – der Hobbykeller wurde umgehend zum Lichtspieltheater umfunktioniert – keinen noch so kleinen Makel entdeckt. Aber demnächst lasse ich den Newcomer frischfröhlich zu einem Vergleich mit einem zehn mal so teuren Spitzen-Beamer antreten… Bleiben Sie dran.

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3 Antworten to “Beam Me Up!”

  1. Franz Manola Says:

    Wenn die Medienwelt bloß so einfach wäre, wie sie Gröbchen darstellt! Die Frage: Projektor oder Bildschirm ist ganz zum Schluss eine technische, zu allererst eine neurologische und in der Folge philosophische, bis zu einem gewissen Grad religiöse Frage.
    Ein audiovisueller Inhalt wird via hintergrundbeleuchtetem Bildschirm betrachtet nachweislich in anderen Gehirnregionen verarbeitet als der selbe Inhalt in einer Projektion.
    Die Hintergrundbeleuchtung durch Tageslicht und Sonne hat tausende glasbemalte Comic Strips zwischen 1000 n. Chr und 2000 n.Chr mit Illustrationen der christlichen Heilsgeschichte auf die „Festplatten“ von Millionen Gläubiger gebrannt. Das gotische Kirchenfenster war das erste Fernsehgerät der Menschheitsgeschichte. Und da jedes einzelne teurer war als die geschwungenen OLED-Luxus-TV-Geräte von heute, musste sich das „auszahlen“.

    Hat es auch. Intuitiv wussten die Kirchenväter: Ein „Durchlichtmedium“ schummelt sich an den kritisch-kognitiven Instanzen des Gehirns vorbei und landet direkt im „mystischen“ Bereich unserer Träume und Assoziationen. Die Werbeindustrie der 60er/70er Jahre, alles andere als Mad Men, ließ das in zahlreichen teuren EEG-Versuchsreihen neurologisch absichern und setzte ab dann fast alle Chips aufs (Werbe-)Fernsehen. Der Vorgang des Auf-einen-hintergrundbeleuchteten-Bildschirm-Starrens verwandelt uns alle unbewusst in das Reh, das beim Wildwechsel mitten auf der Fahrbahn stehenbleibt und sich mit seligem entspanntem Augenausdruck überfahren lässt.

    Hypnotisiert von einem gebündeltem Lichtstrahl werden unsere Gehirnaktivität vom tages-aktiven Beta- ins nacht-entspannte Alphastadium geswitched, prompt und verlässlich. Das ist die Magie des Fernsehens auf Fernsehgeräten. Fernsehen via Projektoren ist genau genommen kein Fernsehen: sondern eine (lebens-)philosophische Entscheidung gegen das Sediertwerden. Für die kritische Beobachtung von Außen und gegen das Übermanntwerden vom Medium.

    • Walter Gröbchen Says:

      Interessanter Kommentar. Danke für den Input. Wobei: man sollte die technisch notwendige & dramaturgisch aufreizende Inszenierung einer Projektion nicht außer acht lassen – die Verdunklung des Sehraums. Das kompensiert die Flachheit des Auflichts im Vergleich mit der metaphysischen Durchdringung des Durchlichts dann doch ein wenig. Und dann wäre da potentiell noch 3D als (auch nicht ganz neuer) Faktor…


  2. […] neuer und neuester Technik-Highlights geschuldet. Aber der so lange schon geplante Testvergleich zwischen einem Billig-Beamer (ich habe extra einen BenQ TH681 erworben) und einem zehnmal so teuren […]


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