Testobjekt

4. Oktober 2015

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (331) Ein Netzwerk-Audio-Player ist heute fixer Bestandteil einer ernstzunehmenden HiFi-Anlage.

Cambridge CXN

Ich steh’ grad mächtig unter Zeitdruck. Denn der Vertreiber jener Gerätschaften, die ich Ihnen heute vorstellen will, sitzt mir im Nacken. Eigentlich sind es sehr nette Leute, aber sie haben – wahrscheinlich aus schlechter Erfahrung – die Angewohnheit, Testgeräte für gerade mal drei, vier Wochen zur Verfügung zu stellen. Und einem dann beinhart eine Rechnung zuzuschicken. Da gibt es keinen Anruf „Ach, Herr Gröbchen, hätten Sie schon die Muße und Güte gehabt, unseren Netzwerk-Audio-Player auf Herz und Nieren zu prüfen?“ Oder gar eine Fristerstreckung.

Ich glaub’, ich muss dem Chef dort mal sagen, dass halbwegs ernsthafte journalistische Arbeit nicht aus dem Handgelenk geschüttelt werden kann. Vielleicht werde ich auch nur um Gnade winseln. Besser als pleite gehen allemal.

Anderseits: das getestete Gerät überzeugt. Auf voller Linie. Man könnte es glatt behalten wollen. Es handelt sich um den Cambridge CXN, einen Netzwerk-Audio-Player britischer Provenienz. Also eines jener Kastln, die man als in den siebziger und achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sozialisierter HiFi-Fan seit geraumer Zeit misstrauisch umschleicht. Braucht man das? Kann das was?

Die Antwort lautet: ja. Ein Streaming-Tool mit audiophilem Anspruch ist anno 2015 unabdingbarer Bestandteil jeder seriösen Musikanlage. Sofern man nicht gleich – á la Sonos, Raumfeld & Co. – radikal auf körperlose Klänge setzt. Aber das würde einen um den Spassfaktor älterer Konzepte und Geräte bringen. Wenn man aber die Analog- und Digitalwelt versöhnen will (ja, das geht!), ist der CXN eine mehr als solide Wahl. Zu einem noch vertretbaren, knapp vierstelligen Preis.

Regelbare symmetrische XLR-Audioausgänge, leistungsfähiger Wandler, TFT-Display an der Frontplatte, eigene App für das Smartphone, Gapless Play, Spotify Connect, Bluetooth, UpnP-Vernetzung, dito Airplay – Kenner wissen bei all dem Wortgeklingel rasch Bescheid. Alles drin, alles dran. Wichtig ist: es läuft flüssig, ist schlüssig bedienbar und kein Mysterium für fortgeschrittene Laien. Und der Klang? „Momentan kann dem Cambridge kein vergleichbar teurer Player das Wasser reichen“, befand das Fachmagazin „Audio“. D’accord.

Aber die Jungs vom Vertrieb haben mir ja für einen Quercheck zeitgleich die Konkurrenz ans Herz und Ohr gelegt: eine Pro-Ject Streambox DS. Mindestens gleiche Qualität und Funktionalität (abgesehen von Airplay), meinen sie, zum günstigeren Preis! Jetzt müssen sie mir das Ding doch glatt noch mal drei, vier Wochen borgen.

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